Was sind Faszien und warum solltest du sie trainieren?
Kennst du dieses Gefühl? Du stehst morgens auf, streckst dich – und irgendwie fühlt sich dein Körper weniger geschmeidig an als früher. Vielleicht sitzt der Nacken fest, vielleicht zieht es im Rücken oder du merkst beim Bücken, dass dein Bewegungsspielraum kleiner geworden ist. Oft denken wir dann zuerst an unsere Muskeln, Gelenke oder gar an die Bandscheiben. Dabei gibt es noch ein faszinierendes Gewebe, das bei jeder Bewegung mitarbeitet: unsere Faszien.
Ich beschäftige mich seit über zehn Jahren mit dem Faszientraining und bin ausgebildete Faszientrainerin. Was mich daran bis heute begeistert: Wir alle haben Faszien, vom sportlichen Jugendlichen bis zum Menschen im hohen Alter. Und wir können selbst daran arbeiten, dass unser Körper wieder beweglicher und sich wieder "jünger" anfühlt. In jedem Alter.

Was sind Faszien – und woraus bestehen sie?
Stell dir deinen Körper nicht als Sammlung einzelner Muskeln, Knochen und Organe vor, sondern als zusammenhängendes Ganzes. Faszien sind ein Teil des Bindegewebes, das diese Strukturen umgibt, durchzieht, voneinander abgrenzt und miteinander verbindet. Manche Faszien sind hauchdünn, andere bilden kräftige, zugfeste Schichten. Sie liegen unter der Haut, umhüllen Muskeln und Organe und stehen mit Sehnen und weiteren Bindegewebsstrukturen in Verbindung.
Ihr Gerüst besteht vor allem aus Kollagenfasern, die Zugfestigkeit geben, und – je nach Gewebe – elastischen Fasern, die Dehnung und Rückstellung unterstützen. Dazwischen befindet sich eine wasserreiche Grundsubstanz mit unter anderem Hyaluronan und anderen Molekülen. In diesem Milieu können benachbarte Gewebeschichten aneinander vorbeigleiten. Faszien enthalten ausserdem Zellen, Blutgefässe und zahlreiche Nervenendigungen. Sie sind also keineswegs bloss eine passive Verpackung.
Warum Faszien für deine Bewegung so wichtig sind
„Faszien sind kein isoliertes Körperteil. Es ist faszinierend, wie durch das Training wieder mehr Körpergefühl, Beweglichkeit und Wohlbefinden zurückkommt.“
Wenn du den Arm hebst, dich drehst oder einen Schritt machst, arbeitet nicht nur ein einzelner Muskel. Kräfte werden über ein Netzwerk aus Muskeln, Sehnen und Faszien weitergegeben. Faszien helfen dabei, Belastungen zu verteilen und Bewegung zwischen Gewebeschichten zu ermöglichen.
Über ihre Sinnesrezeptoren liefern sie dem Nervensystem Informationen über Spannung, Position und Bewegung. Auch deshalb kann sich eine Bewegung einmal leicht und selbstverständlich und an einem anderen Tag ungewohnt eingeschränkt anfühlen.
Wichtig ist mir dabei eine ehrliche Einordnung: Nicht jede Verspannung und nicht jeder Schmerz kommt von den Faszien. Muskeln, Gelenke, Nerven, Stress, Schlaf und viele andere Faktoren spielen ebenfalls eine Rolle. Unser Körper ist eben kein Baukasten, in dem man jedes Problem einer einzigen Struktur zuordnen kann. Meiner Erfahrung nach kann Faszientraining bei manchen Beschwerden helfen, sie zu lindern.
Was verändert sich, wenn wir älter werden?
Mit den Jahren verändert sich unser Bindegewebe. Kollagenstrukturen werden umgebaut, die Eigenschaften des Gewebes können sich verändern und viele Menschen bewegen sich im Alltag weniger abwechslungsreich. Gleichzeitig nehmen ohne entsprechendes Training Muskelkraft und häufig auch Muskelmasse ab. Das betrifft besonders Frauen während und nach den Wechseljahren.
All das kann dazu beitragen, dass Bewegungen steifer werden und die Haltung schlechter.
Die gute Nachricht: Beweglichkeit ist keine Eigenschaft, die du mit Jahren einfach abschreiben musst. Mit regelmässigem Faszientraining kannst du deine Beweglichkeit meist erhalten oder sogar wieder verbessern.
Mit gezieltem Krafttraining können wir auch im höheren Alter Muskeln erhalten und aufbauen. Für mich gehören Beweglichkeit und Kraft deshalb zusammen – auch wenn dieser Artikel zuerst einmal die Faszien in den Mittelpunkt stellt. Faszientraining ersetzt kein muskelaufbauendes Training!
Was passiert beim Faszientraining?
„Ich habe schon erlebt, dass Frauen im Fuss Schmerzen hatten, aber das eigentliche Problem im Beckenboden lag. Deshalb ist ein Ganzheitliches Faszientraining wichtig!“
Faszientraining ist viel mehr, als mit einer Rolle über verspannte Stellen zu fahren. Wir arbeiten mit bewussten, abwechslungsreichen Bewegungen, Dehnungen, federnden Elementen und – wo es passt – mit sanftem Druck auf das Gewebe.
Ziel ist nicht, Faszien mit Gewalt «weichzurollen» oder mit wilden Verrenkungen die Beweglichkeit wiederherzustellen. Vielmehr setzen wir Bewegungsreize, schulen die Körperwahrnehmung und geben dem Zusammenspiel aus Gewebe, Muskulatur und Nervensystem Zeit und neue Möglichkeiten.
Es ist ein ruhiges, einfühlsames und erholsames Training für deinen Körper.
Die meisten fühlen sich bereits nach einer Einheit lockerer, beweglicher - ja wohler. Ob und wie lange dieser Effekt anhält, ist individuell. Langfristige Veränderungen brauchen Regelmässigkeit.
Und was ist mit Haut und Bindegewebe?
Auch das Erscheinungsbild des Gewebes interessiert viele meiner Teilnehmer - besonders die Frauen. Persönlich habe ich nach dem Training manchmal beobachtet, dass die Haut praller wirkt und die Körperkonturen etwas definierter erscheinen. Besonders direkt nach dem Training. Das ist meine ganz persönliche Beobachtung, kein wissenschaftlich gesichertes Versprechen, dass Faszientraining Haut strafft oder Cellulite beseitigt. Fettgewebe, Muskulatur, Wasserhaushalt, Alter, Ernährung und individuelle Voraussetzungen wirken hier zusammen.
Du musst nicht beweglich sein, um anzufangen
Gerade Menschen, die bereits gesundheitliche und körperliche Einschränkungen im Bewegungsapparat haben, glauben, Faszientraining sei nichts für sie.
Dabei ist das in meinem Training gar kein Problem: Du bewegst dich nur so weit, wie es dein eigener Körper und deine gesundheitliche Situation zulassen. Du bist dein Mass! Es gibt keinen Wettbewerb und keinen Grund, eine Bewegung zu erzwingen.
Einladung zur Fasziengruppe in Merlischachen
Du möchtest selbst erleben, wie sich Faszientraining anfühlt? Dann freue ich mich, dich in unserer gemischten Gruppe zu begrüssen.
Das Training ist so aufgebaut, dass du jederzeit einsteigen kannst. Es wird immer der ganze Körper trainiert mit einem wöchentlich wechselnden Schwerpunkt: Beine, Hüfte, unterer Rücken, oberer Rücken, Schultern und Arme, Nacken und Kopf und wieder von vorne.
Du machst nur so weit mit, wie es für dich geht. Du bist immer dein eigenes Mass!
Jeden Mittwoch · 20.00–20.45 Uhr · Sporthalle Merlischachen
Das Training findet nur während der Schulwochen im Kanton Schwyz statt. Alle näheren Informationen findest du im Verein Fastfit. Deine erste Schnupperstunde ist kostenlos und du brauchst dich nicht anzumelden. Komm in bequemer Sportkleidung und bring etwas zu trinken mit. Schuhe brauchst du nicht, Trainingsmaterial ist vorhanden.
Lieber zu Hause ausprobieren?
Mein kostenloses 25-Minuten-Faszientraining ist dein unkomplizierter Einstieg.


Kommentare